| Herrn Geigenbaumeister Wolfgang Bünnagel 1. Vorsitzender vom Verband Deutscher Geigenbauer, Stuttgart e.V. Breite Straße 99 5000 Köln 1 West Germany 15. April 1988 |
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Öffentliche Anfrage and den Vorstand und den Kollegen des V.d.G. |
| Betrifft: Um die Gunst des
Streichinstrument-Lehrers zu erkaufen, was sind die zur Zeit
gängigen Prozentsätze und Methoden denen sich ehrbare
Geigenbaumeister -- ohne sich des unlauteren Wettbewerbs
schuldig zu machen -- bedienen können? Die obige Frage warf sich auf, nachdem ich den hoch interessanten Artikel unseres Kollegen Jürgen von Stietencron: "Die Geige als Kunstgegenstand und Serienprodukt", im Heft 6, der Zeitschrift Das Musikinstrument vom 6. Juni 1987, laß. In den letzten zwei Absätzen stellte er die Frage: "Und wie sieht die Zunkunft aus?", in Bezug der Ausbildung zum Geigenbauer, und er forderte zu einer nachdenklichen Diskussion heraus. |
| Es wäre wohl wichtig, im Rahmen der Hauptversammlung des
VDGs, [Mittenwald 1988] sich doch einmal auf die
Gegenwärtigen- und Zunkunftsprobleme des Geigenbaus und Handels
zu konzentrieren. Wie aus dem Artikel von Stietencrons
hervor geht, hegt er die Befürchtung und sieht die Möglichkeit,
im Bezug zur technischen Entwickelung der Serienproduktionen von
Streichinstrtunenten: "Eine Ausbildung zum Geigenbauer wird dafür jedenfalls nicht mehr sinnvoll sein. |
| Ein anderes Problem, welches er anschneidet, ist das zunehmende Abhängigkeitverhältnis des Geigenbauers und Geigenhändlers zum Streichinstrumentenlehrer. Dieses erklärt die Identitätskrise in welcher sich die Geigenbranche befinded. Was man in der Öffentlichkeit als Provision rechtfertigt und dem "Stubenhändler" als Bestechung unterstellt, scheint -- und das mit einigen Ausnahmen -- ein Problem des steuerzahlenden Geigenhandels geworden zu sein. Wie unser Kollege v. Stietencron weiter ausführt: |
| "Auch im Bereich des Handels zeichnen sich Veränderungen ab. Nicht nur die bestehenden Verhältnisse in den USA, sondern auch die Entwicklung bei uns deutet darauf hin, daß der Handel mit Instrumenten einerseits zunehmend in die Hände der Musiklehrer übergeht (oder doch von deren Provisionsforderungen abhängig wird), andererseits aber auch von Firmen mit modernsten Management betrieben wird. So wie etwa der Handel mit Aktien oder Immobilien. Das heißt, nicht mehr der Gegenstand des Handels, sondern die Art der Vermarktung wird zum eigentlichen Inhalt des Geschäftes. Es ist klar, daß auch für diese Tätigkeit die Ausbildung zum Geigenbauer unwesentlich wird. |
| Das Thema der Provisionezahlung wurde schon in 1973, zur
Tagung der "Entente" in Herrogate, England zur sprache
gebracht. Der Britische Geigenbauer Verband, laut Charles Beare,
beschloß daraufhin keine Provisionen irgend welcher Art mehr zu
zahlen. Da zur Tagung in Mittenweld auch die Mitglieder der "Entente" eingeladen wurden, bietet sich vielleicht die Gelegenheit in Erfahrung zu bringen, wie in anderen Ländern -- das, was ich in meinen Reportagen als ,,Das Chicagoer Abkurzungsverfahren: Schöpferische Vermarktung des Tones durch Bestechung" nannte -- gehandhabt wird. |
| Beiliegende Kopien des Schriftverkehrs, den ich als
ehemaligerSchriftführer des Amerikanischen Verbandes der Geigen-
und Bogemacher mit Hans Weisshaar, dem Presidenten des Verbandes,
hatte, gab dieser als offizielle Lösung die ausweichende
phylosophische Antwort, die im Johannes 8:7, Jesus Cristus
unterschoben wurde. RIN:067
Letter to Hans Hans Weisshaar -- als einer der wohlhabensten Geigenhändler der USA und jetziger President der ,,Entente" -- erläuterte mir seine Einstellung zur Provisionsfrage mit der Antwort vom 21. Marz 1984, wie der Photokopie zu entnehmen ist: |
| "Wenn man im Geschäft ist Instrumente zu verkaufen, wird man es schwierig haben, ohne dem (Provisionen, etc. zu zahlen) erforlgreich zu sein. Der Brauch wurde eingeführt und zur Gewohnheit und ist zur Nötwendigkeit des Überlebens für viele geworden". RIN:068 Reply from Hans |
| Die Instrumentenbau Zeitschrift vom 1. Februar
1988, auf Seite 154, befaßt sich mit der Feststellung des
Gesamtverband Deutscher Musikgeschäfte: "Die Branche geht
vor die Hunde!" Mit der Aktion: "Fairer
Wettbewerb", wird der GdM an die Öffentlichkeit treten um
den kaufmännischen Selbstmord der Branche entgegen zu wirken. So, wie man sieht, gibt es viele Fragen die man auf den Tagungen des VdG zur Sprache bringen sollte. Es geht darum besonders denen zu helfen, die niemals in der Kunst des Geigenverkaufs durch Provisionszahlung unterrichtet wurden. Vielleicht könnte man unseren Kollegen Karl Roy dazu bewegen, auf der Geigenbauschule diese Kunst unauffällig der Gewerbelehre zu unterschieben. |
| Andere Diskussionen die von hohem Interesse wären, könnten sich mit den Forschungsergebnissen beschäftigen, die unser Kollege Willem Bouman, aus Den Haag, durch die Anwendung naturwissentschaftlicher Techniken erzielte. Oder das Thema der "Ausschachtelung" von Meisterinstrumernte, (siehe : Taxe der Streichinstrumente, Albert Fuchs, Vorwort zur 1. Auflage) welches dem ,,Grundsatz der "Reversibilität" (die Möglichkeit, einen Prozess wieder rückgängig zu machen) widerspricht. RIN:041 The E.N.D Process |
| In der Hoffnung auf eine lehr- und diskussionsreiche Tagung im
schönen Mittenwald, verbleibe ich mit kollegialen Grüßen,
ergebenst Fritz Reuter. |